Neubau

Die LWB Online
Architekturwerkstatt

Das Briefing

Wohnideen für Leipzigs Zukunft

Leipzig wächst wieder! Aus diesem Grund verfolgt die Leipziger Wohnungs- und Baugesellschaft mbH (LWB) nun zum ersten Mal das Ziel, auf ausgewählten Standorten Neubauten im Geschosswohnungsbau zu realisieren. Dies, nicht zuletzt, um den Leipziger BürgerInnen auch weiterhin die komplette Bandbreite an Wohnmöglichkeiten bieten zu können. Für die LWB und das kooperierende Amt für Stadterneuerung und Wohnungsbauförderung der Stadt Leipzig (ASW) steht dabei fest: Neuer Wohnraum in Leipzig soll vielseitig und bezahlbar bleiben, er soll in wichtigen Teilen von den BewohnerInnen mitgestaltet werden können und auf kooperatives Wohnen zielen. Gleichzeitig soll er technisch wie ökologisch auf dem Stand der Zeit und damit zukunftsfähig sein.

Wer richtet NEUBAU aus?

Die Leipziger Wohnungs- und Baugesellschaft mbH (LWB) gehört zu den großen Unternehmen der deutschen Wohnungswirtschaft und ist Leipzigs kommunaler Vermieter. 1990 gründete die Stadt Leipzig die LWB und übernahm das ehemals volkseigene Wohnungsvermögen. Heute verwaltet die LWB fast 36.000 Wohnungen und ist darüber hinaus die Eigentümerin vieler Grundstücke und Immobilien. Das Unternehmen verfolgt, nach vielen Jahren, die durch Abriss, Rückbau und Sanierung geprägten waren, heute auch das Anliegen, an ausgewählten Standorten im Stadtgebiet Leipzigs Mietwohnungsneubauten zu errichten. Die Online-Architekturwerkstatt NEUBAU soll für die Ausrichtung dieser Neubauten Beteiligung ermöglichen und innovative Impulse sammeln. NEUBAU ist eine Initiative der LWB und des Amts für Stadterneuerung und Wohnungsbauförderung der Stadt Leipzig (ASW). NEUBAU wurde konzipiert und ausgearbeitet von u.m.s urban management systems und Zivilarena. NEUBAU ist eine Ideenwerkstatt ohne unmittelbaren Umsetzungsanspruch, die ganz bewusst das breite Spektrum von etablierten und jungen Architekturbüros, StudentInnen, kompetenten BürgerInnen und interessierten Architektur-Laien anspricht. Eingetragenen Architekten wird allerdings empfohlen, vor Teilnahme ggf. ihre Kammer zu kontaktieren.

Wohnen im Lebenswandel
Architektur von Innen nach Außen entwickeln

Auf der Grundlage der oben genannten Basiskriterien bitten wir Sie, einen Schritt weiter zu denken. Wohnen ist, geschichtlich und individuell betrachtet, ein Phänomen im Wandel, das heutzutage von einer Vielzahl von Lebensentwürfen abgeleitet werden muss. Junge, kinderlose Doppelverdiener haben andere Ansprüche an ihr Wohnumfeld als Familien mit zwei oder drei Kindern. Und Lebensentwürfe bleiben auch in sich nicht statisch: Aus Singles werden Paare, aus Paaren Familien, aus Familien Patchworks und hoffentlich rüstige, aber manchmal auch hilfsbedürftige Rentner.

Als Konstante bleibt in diesem Wandel der Wunsch nach einer „Wohnung fürs Leben“, nach der langfristigen Verbindung mit einem Ort und einer Nachbarschaft. In der Online-Architekturwerkstatt NEUBAU fragen wir nach Ideen und Konzepten für Wohnungen, die ihren Bewohnern eine dauerhafte Heimat bieten, weil sie flexibel auf sich verändernde Lebensbedingungen reagieren können. Den planerischen Ausgangspunkt für Ihre Überlegungen soll daher der Grundriss der Wohnflächen bilden. Das heißt nicht, dass die Gebäudefassade und die Bearbeitung der faktischen Volumina im Entwurf keine Rolle spielen. Allerdings soll der Baukörper prioritär von Innen nach Außen entwickelt werden. Ein an verschiedene Lebenslagen anpassbares Wohnkonzept erfordert darüber hinaus eine gewisse „Unabhängigkeit“ des Innenraums vom Baukörper. Das von Ihnen entworfene Wohnkonzept soll prinzipiell an verschiedenen Standorten und auf verschiedenen Wohnflächen funktionieren. Damit Sie Ihre Gedanken trotzdem anhand konkreter Gegebenheiten entwickeln können, haben wir vier verschiedene innerstädtische Brachen in den Schwerpunktgebieten der Stadterneuerung im Leipziger Osten und Leipziger Westen mit unterschiedlichen städtebaulichen Gegebenheiten ausgewählt. Es bietet sich für Ihre Entwürfe an, sich auf eines der vier Grundstücke zu konzentrieren.

Um diese Grundstücke geht es

Endersstraße 33

Das Grundstück Endersstraße 33 liegt im Leipziger Ortsteil Lindenau und damit im Aufwertungsgebiet Leipzig West, das durch ein Nebeneinander von schwachen und relativ stabilen Bereichen mit einer sehr unterschiedlichen Dynamik in der Entwicklung gekennzeichnet ist. Der in Teilen erreichte Entwicklungsfortschritt hat eine positive Ausstrahlung und einen Wiederanstieg der Wohnbevölkerung bewirkt. Entwicklungshemmnisse sind die trotz erheblicher Sanierungsanstrengungen weiterhin gegebenen baulichen und städtebaulichen Defizite.

Das Grundstück Endersstraße 33 liegt im westlichen Teil Altlindenaus südlich der Lützner Straße. Das Quartier ist geprägt durch gründerzeitlichen Gebäudebestand mit Wohnnutzung, der weitestgehend saniert ist. Im näheren Umfeld des Standortes befindet sich der Henriettenpark, der im Zuge der Stadterneuerungsmaßnahmen aus einem ehemaligen Verladebereich entwickelt wurde. Weiterhin bietet die Nähe zum Karl-Heine-Kanal mit attraktiven Freiflächen und Spielplätzen eine besondere Standortqualität. In unmittelbarer Nähe befindet sich die Helmholtz-Oberschule und auf dem Jahrtausendfeld entsteht perspektivisch eine neue Grundschule. Südlich des Karl-Heine-Kanals werden der Aurelienbogen zu einem hochwertigen Wohnstandort und die Philippuskirche sukzessive zu einem Integrationshotel sowie Begegnungszentrum entwickelt.

Gauß-/Heimteichstraße

Der Standort Gauß-/Heimteichstraße liegt im Ortsteil Leutzsch inmitten des ehemaligen Industrie- und Arbeiterviertels im Leipziger Nordwesten südlich des Auenwaldes. Die angrenzenden Quartiere in westlicher und südlicher Richtung entstanden überwiegend in den 1930er Jahren als Mietshäuser. Östlich prägen Einfamilienhäuser und elegante Villen auf großzügigen Grundstücken mit altem Baumbestand das Straßenbild. Im Norden des Grundstücks grenzt jenseits der S-Bahntrasse der Leipziger Auenwald „Leutzscher Holz“ mit dem Alfred-Kunze-Sportpark (Fußballstadion) und dem Auensee an und bietet vielfältige Sport- und Erholungs- und Freizeitmöglichkeiten.

Das Grundstück liegt ferner an der nördlichen Grenze des Gebietes „Aktive Stadt- und Ortsteilzentren – Georg-Schwarz-Straße“, das im Wesentlichen durch konsolidierte Wohnbebauung aus den 1960er Jahren geprägt ist. Der existierende gründerzeitliche Bestand insbesondere entlang der Georg-Schwarz-Straße weist noch immer einen hohen gewerblichen Leerstand und auch Wohnungsleerstände auf. Durch die Sanierung der Magistrale ab 2017 werden positive Effekte für das umgebende Einzugsgebiet erwartet. Eine wesentliche Qualität des Standorts ergibt sich aus der fußläufigen Anbindung an den Auwald. Auf der ehemaligen Betriebsfläche der Leipziger Verkehrsbetriebe nördlich der Gauß-/Heimteichstraße hat sich in den letzten Jahren großflächiger Einzelhandel angesiedelt. In direkter Nachbarschaft des Standortes liegt ein Netto-Supermarkt.

Klingenstraße 10

Das Grundstück Klingenstraße 10 liegt im Leipziger Westen im Ortsteil Plagwitz Das ehemalige Industrieviertel ist beispielhaft für den gelungenen Kulturwandel vom Industriegebiet zum beliebten Kiez mit heute überwiegend ruhiger, familienfreundlicher Wohnlage. Ein großes Angebot an Bars, Kneipen, Galerien und individuellen, kleinen Ladengeschäften war und ist vor allem für jüngere Wohnungssuchende, StudentInnen und junge Familien das Entscheidungskriterium, in diesen Teil der Stadt zu ziehen. Hier finden sich die für Leipzig typischen Gründerzeitwohnquartiere, Firmensitze von Onlinehändlern, neu entstehende Eigentumswohnungen und interimsbelegte Wächterhäuser. Plagwitz ist in jeder Hinsicht ein Viertel mit dynamischer Entwicklung guter Mischung.

Der Standort liegt im südlichen Teil von Plagwitz in einem Übergangsbereich zwischen gründerzeitlicher Wohnbebauung und gewerblichen Nutzungsbereichen mit einem hohen Anteil an Brachflächen. Im Umfeld des Standortes sind in den letzten Jahren viele leer stehende Objekte durch Hausprojekte und Wohngruppen erworben und saniert worden. In der Nachbarschaft des Grundstücks in der Markranstädter Straße befindet sich eine im Stadtteil angesehene, dezentrale Asylbewerberunterkunft. Der gegenwärtig auf der Fläche der Klingenstraße 10 befindliche Bauspielplatz, ein beliebter Treffpunkt für Kinder und Jugendliche auch über Quartiersgrenzen hinweg, wird in den nächsten zwei Jahren auf eine größere Ausweichfläche ziehen.

Das Viertel um die Klingenstraße verfügt über reichlich Potenzial und findet sich derzeit noch selbst. Es lässt Raum für Möglichkeiten, die an anderen Stellen vielleicht nicht mehr gegeben sind. Das Straßenbild ist sehr heterogen und erinnert in seinem Nebeneinander von alten Industriebauten, sanierten Gründerzeitfassaden und Brachen noch an die Zeit nach der Wende mit ihren vielen Umbrüchen in innerstädtischen Bereich. Hier bietet sich also die Gelegenheit, Chancen zu ergreifen und für die künftigen Bewohner etwas Besonderes zu schaffen. Dies gilt im besonderen Maße für die Wiederbelebung der benachbarten und gegenüberliegenden, brachgefallenen Grundstücke des Standortes.

Meißner Straße 42-50

Das Grundstück Meißner Straße 42-52 liegt im Leipziger Osten im Ortsteil Neustadt-Neuschönefeld. Sanierte Gründerzeitbestände, neue Stadthäuser, belebte Einkaufslagen, attraktive und gut angenommene öffentliche Grünanlagen gehören ebenso zur bunten Vielfalt des Leipziger Ostens wie eine sozial durchmischte, multikulturelle Bevölkerung und vielfältige soziale und kulturelle Angebote für die Stadtteilbewohner.

Noch hebt sich der Leipziger Osten durch eine überdurchschnittliche Arbeitslosenquote und einen hohen Anteil an TransferleistungsempfängerInnen von anderen Stadtteilen Leipzigs ab. Auch ein hoher Anteil an leer stehenden und teilweise unsanierten Wohngebäuden prägt diesen Stadtteil. Dennoch hat das vormals strauchelnde Stadtviertel im Einzugsbereich der Eisenbahnstraße auch dank seiner engagierten AnwohnerInnen eine enorme Wandlung durchgemacht. Es erfreut sich heute wegen seiner kulturellen Lebendigkeit und der relativ zentralen Lage großer Beliebtheit.

Die belebte Eisenbahnstraße mit ihren Einkaufsmöglichkeiten und der Stadtteilpark Rabet bieten einerseits quirliges Stadtteilleben und andererseits gute Erholungs- und Freizeitmöglichkeiten. In unmittelbarer Nähe befinden sich die neugotische Heilig-Kreuz-Kirche, die Wilhelm-Wander-Grundschule, eine Integrative Kindertageseinrichtung und das Seniorenheim Leipzig-Volkmarsdorf. Das Quartier ist überwiegend geprägt durch eine geschlossene, gründerzeitliche Baustruktur mit einfacher, preiswerter Wohnbebauung und eher kleinteiligen Wohnungsbestand mit Zwei- und Drei-Zimmer-Wohnungen. Die ÖPNV-Anbindung ist sehr gut. Die Bewohner sind überdurchschnittlich jung und das Einkommensniveau ist verhältnismäßig schwach.

Die Beurteilung Ihrer Entwürfe

Unsere Jury orientiert sich sowohl bei der ersten Auswahl als auch bei der abschließenden Bewertung der eingereichten Vorschläge an folgenden Kriterien:

  • Flexibles, universelles Grundrissdesign, das auf zukünftige Ansprüche der NutzerInnen eingehen kann und konzeptionell auf andere Standorte übertragbar ist.
  • Einräumung der Möglichkeit zur Mitgestaltung der Wohnsituation durch die BewohnerInnen (Partizipation, Mietergemeinschaften, Ausbauhaus/hybride Bauweisen).
  • Ermutigung zu kooperativen Wohnformen, z.B. durch gemeinschaftliche Einrichtungen.
  • Soziale Einflechtung in die Nachbarschaft durch von der Hausgemeinschaft ausgehende Impulse und Vernetzungen.
  • Behutsame bauliche und städtebauliche Einbindung ins Quartier.
  • Ökologische Nachhaltigkeit und Energieeffizienz.
  • Weitgehende Barrierefreiheit und die unproblematische Einbeziehbarkeit von wohnungsnahen Dienstleistungen.
  • Bezahlbarkeit.

Die Gewichtung der einzelnen Kriterien obliegt der Jury. Ihre eingereichten Unterlagen müssen keiner strengen Form folgen (z.B. CAD-Zeichnungen, Renderings) – die Form ist frei wählbar! Dennoch sollten Sie ein paar Eckpunkte beachten, damit unsere Jury Ihre Idee versteht und gut vergleichen kann. Darüber hinaus sollte der Umfang der einzureichenden Ideen eine angemessene Größenordnung und auch Detailtiefe nicht überschreiten, sondern dem Anspruch einer Ideenwerkstatt entsprechen. Zunächst haben Sie im Einreichungs-Formular Platz für einen aussagekräftigen Titel, eine auf das Wesentliche beschränkte textliche Kurzbeschreibung mit maximal 1200 Zeichen und für das Hochladen von insgesamt fünf Bildern, Plänen oder Karten – je nachdem, mit welchem illustrativen Material Sie Ihre Idee am besten untermauern können. Diese Informationen sind für die Jury die Stufe 1 im Auswahlprozess – es lohnt sich hier also besonders, sich um Klarheit zu bemühen. Für eine ausführliche Darstellung können Sie an das Einreichungs-Formular ein PDF-Dokument im Umfang von maximal 10 Seiten Länge und maximal 20 MB Dateigröße anhängen, in dem Sie sich kreativ austoben können. Auch hier ist es aber natürlich ratsam, den kreativen Prozess möglichst verständlich darzustellen. Für Ihre Grundrisse ist der Maßstab M 1:200 bzw. 1:500, für Pläne zur Einordnung des Gebietes in die bestehenden Bau- und Raumstrukturen M 1:1.000 bzw. 1:500 empfehlenswert. Die vorgeschlagenen Formate sind jedoch als Orientierung zu verstehen. Allein um eine brauchbare und einheitliche Darstellung auf der Website gewährleisten zu können. Grundsätzlich ist die Form Ihres Vorschlag frei wählbar.

Ablauf des Werkstattprozesses

Nachdem Sie sich an dieser Stelle über die Rahmenbedingungen der Online-Werkstatt, über die Aufgabenstellung und die Faktenlage zu den einzelnen Grundstücken informiert haben, bekommen Sie ab dem 5. Januar 2015 Gelegenheit zur Teilnahme an der vierwöchigen Ideenwerkstatt in Form einer moderierten Online-Diskussion. Nutzen Sie hier die Möglichkeit für allgemeine und fachliche Rückfragen an unsere Moderatorin und lassen Sie Ihre Ideen gemeinsam mit den anderen TeilnehmerInnen reifen, bevor Sie schließlich Ihre Einreichung durchführen. Unsere Jury wählt am Ende der Einreichungsphase ab dem 2. Februar 2015 grundstücksbezogen die besten fünf Vorschläge aus. Über diese fünf Favoriten der Jury für jedes Grundstück können Sie ab dem 16. Februar 2014 im Voting abstimmen. Am 12. März 2015 werden zu guter Letzt die vier GewinnerInnen präsentiert und ein Preisgeld in Höhe von jeweils 5.000 Euro vergeben. Die Bewertung der einzelnen Vorschläge erfolgt dabei anhand eines Punktsystems, dass zu 40% die Ergebnisse des Online-Votings und zu 60% die Einschätzung der Jury berücksichtigt. Entsprechend besteht die Möglichkeit, dass bei Punktgleichheit das Preisgeld für ein Grundstück auf mehrere eingereichte Vorschläge verteilt wird. Grundsätzlich ist die Bewertung und Prämierung als freiwilliger Teilnahmeanreiz zu verstehen und nicht mit einer Honorierung planerischer Leistungen zu verwechseln. Es besteht zudem kein Entgeltanspruch bzw. Anspruch auf Erlangung der Prämie bzw. Teilen davon.

Das Briefing
ab 1.12.
Die Werkstatt
ab 5.1.
Die Auswahl
ab 2.2.
Das Voting
ab 16.2.
Die Prämierung
12.3.